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Gerschwitz: Endlich mal was POSITIVES

Foto: © Öffnet externen Link in neuem FensterSebastian Kaulitzki / fotolia.com

Matthias Gerschwitz, "Endlich mal was POSITIVES"



Cover des Buches "Endlich mal was POSITIVES"
Matthias Gerschwitz, Endlich mal was POSITIVES.
Offensiv & optimistisch: mein Umgang mit HIV,
Books on Demand GmbH, 2009.

Es gibt viele Bücher zu HIV und AIDS, aber nur wenige, die einen direkten Einblick in das Leben mit dem Virus geben. In "Endlich mal was POSITIVES" beschreibt Matthias Gerschwitz, der 1994 das positive HIV-Testergebnis erhielt, seinen Umgang mit der Infektion ohne Larmoyanz oder Betroffenheit, sondern optimistisch, informativ und manchmal auch etwas provokativ.
   Das Buch wendet sich nicht nur an von der Krankheit Betroffene und ihr Umfeld, sondern insbesondere an alle diejenigen, die bislang keine Notwendigkeit sahen, sich mit der Infektion zu befassen oder befassen zu müssen - oder die immer noch glauben, sie wären sicher vor HIV. Eine trügerische Einstellung, denn es kann jeden treffen, egal, ob Mann oder Frau, ob homo-, bi- oder heterosexuell. Das Virus ist nicht wählerisch.
   "Endlich mal was POSITIVES" ist teils Tagebuch, teils Statement. Der Erfahrungsbericht zeigt, dass man mit HIV das Lachen nicht verlernen muss und auch mit einer unheilbaren Krankheit zukunftsorientiert leben kann. Und das ist doch endlich mal was Positives.

 


Über den Autor

Mattias Gerschwitz wurde im Oktober 1959 in Wuppertal geboren und wuchs in Solingen auf. Nach dem Studium der Werbewirtschaft in Pforzheim und Frankfurt am Main arbeitete der graduierte Kommunikationswirt acht Jahre im Marketing eines mittelständischen Markenartikelunternehmens (delta pronatura) und als Product-Manager Functional Products eines internationalen Konzerns der Riechstoffindustrie (Firmenich). 1992 machte sich Gerschwitz in Berlin mit einer Werbeagentur selbständig. Seit 2007 schreibt er auch Bücher, vorwiegend Chroniken. So entstanden 2007 "Bullrich-Salz: Marke •Mythos • Magensäure" (die Chronik eines der ältesten deutschen Markenartikel), 2008 "Molle und Medaille" (die Chronik der ältesten Kneipe Berlin-Charlottenburgs) und 2010 "Das Haus in der Kaiserstraße" über das 1831 erbaute Haus in Solingen-Wald, in dem der Autor von 1959 bis 1981 lebte.

Mit "Endlich mal was POSITIVES" legte Gerschwitz 2009 eine Chronik der besonderen Art vor: die Geschichte seiner 1994 festgestellten HIV-Infektion und den Umgang damit. Er erzählt uns aus seinem Leben und lässt den Leser an seinen Gedanken und Meinungen teilhaben; so entsteht das Bild eines optimistischen und fröhlichen Menschen, der sich von ein paar Viren nicht unterkriegen lässt. Und der eindeutig für Safer Sex plädiert.

Matthias Gerschwitz ist Botschafter des Welt-Aids-Tages und Online-Protagonist der Welt-Aids-Tag-Kampagne "Positiv zusammen leben - Aber sicher!" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (www.welt-aids-tag.de). Er steht für Lesungen, Talkshows, Interviews, Diskussionen u.ä. zur Verfügung.

Anlässlich der 13. Münchner AIDS-Tage im März 2010 wurde Matthias Gerschwitz für das Buch "Endlich mal was POSITIVES" vom Kuratorium für Immunschwäche München (KIS) mit dem Annemarie-Madison-Preis 2010 ausgezeichnet. Annemarie Madison, AIDS-Aktivistin und Namensgeberin des Preises, setzte sich seit 1985 für einen menschenwürdigen Umgang mit HIV-positiven und an AIDS erkrankten Menschen ein. Sie starb am 30. Januar 2010 im Alter von 89 Jahren in San Francisco. Alle wichtigen Informationen zu ihrem Leben und Wirken sind auf der Website Öffnet externen Link in neuem Fensterannemariemadison.com zusammengestellt.

 

Aus dem Vorwort
(Andreas Schultz)

Dass Matthias Gerschwitz mit HIV infiziert ist, erfuhr ich durch Zufall. Als wir die Einladungsliste für unser 25-jähriges Abiturjubiläum zusammenstellten, meinte ein ehemaliger Mitschüler: "Also der Matthias, weißt du nicht, der hat AIDS". Und obwohl niemand es aussprach, stand eine Frage dennoch im Raum: "Lebt der überhaupt noch?"
Wir schickten ihm trotzdem eine Einladung.
Damals war mein Bild von HIV noch sehr vereinfacht. Wir hatten alle den Film Philadelphia gesehen und glaubten zu wissen, dass HIV gleich AIDS ist und AIDS gleich Tod. Umso erfreuter war ich, Matthias wohlbehalten und voller Lebensfreude auf unserer Feier zu begegnen. Seit diesem Zeitpunkt sind wir befreundet.
Die Idee zu diesem Buch trug Matthias schon länger mit sich herum. Um sie in die Tat umzusetzen, bedurfte es nur noch eines Anstoßes. An einem unserer Abende in einer Berliner Kneipe redete ich ihm zu, über seine Erfahrungen mit der Infektion zu schreiben, weil es vielen eine Hilfe sein würde und anderen die dringend nötige Aufklärung bringen könne. Mir schien die Zeit reif - und er auch tatsächlich dazu bereit zu sein. Wenige Tage später erhielt ich die ersten 30 Seiten. Das vollständige Ergebnis folgte ein paar Wochen später. Herausgekommen ist ein Buch, das ein Betroffener für andere Betroffene und ihr Umfeld geschrieben hat, gerade auch für diejenigen, die (noch) keine Vorstellung von der Krankheit haben. Denn hier erzählt einer wie "du und ich" von seiner HIV-Infektion, ohne das Leben und das Lachen verlernt zu haben.

 

Leseprobe aus dem Kapitel "Wie sag ich´s meinem Kinde?"

Der zum geflügelten Wort gewordene Titel einer Aufklärungsschrift von Friedrich Siebert aus dem Jahr 1904 trifft zwar nicht den Kern der Sache, weil Kinder üblicherweise nicht zuerst über eine HIV-Infektion informiert werden.
Dafür erklärte eine Textzeile des gleichnamigen Gedichts von Mascha Kaléko (1907 - 1975), das vom Sterben handelt, das Dilemma sehr deutlich: "Was konnte ich schon sagen, wo man doch selbst nichts weiß?" Denn die Fragen lauten: Wem sage ich es, was sage ich, wann sage ich es und wie viel sage ich? [...]

Nachdem ich die Praxis verlassen hatte, blieb ich auf der Straße stehen und holte erst einmal tief Luft. Die Irritation über die hilflose Äußerung des Arztes war verblasst; ich hatte ja mitbekommen, wie sehr ihn die Diagnose, die er mir eröffnen musste, getroffen hatte. Ich setzte mich ins Auto und fuhr wie selbstverständlich ins Büro. Als freier Mitarbeiter einer Fernsehproduktion betreute ich eingenverantwortlich den Zuschauerbereich einer wöchentlichen Talkshow. Persönliche Befindlichkeiten waren da sekundär.
In einer solchen Gemeinschaft bilden sich freundschaftliche Beziehungen zu Kollegen, die über das berufliche Maß hinausgehen. Einer dieser Kolleginnen, der Assistentin des Geschäftsführers, lief ich nach meine Ankunft über den Weg. Sie begrüßte mich im üblichen Tonfall.
"Na du - wie siehst du denn aus?"
Ich zuckte mit den Schultern und sah sie an.
"Na dann komm mal mit." Wir gingen in ihr Büro; sie stellte mir einen Stuhl vor den Schreibtisch und einen Pott Kaffee vor die Nase.
"Erzähl´mal."
"Ich war gerade beim Arzt", wollte ich eigentlich sagen, aber im selben Moment liefen mir schon Tränen über das Gesicht. War ich bislang noch beherrscht gewesen, so fiel die Fassade mit dem ersten Wort in sich zusammen. Hemmungslos heulte ich in miene vor dem Kopf verschränkten Arme und stammelte unverständliche Satzfetzen, die in Schluchzen und Schniefen untergingen.
Mittlerweile war ein anderer Kollege, dem ich ebenfalls freundschaftlich verbunden war, hinzugekommen; es hatte ihn irritiert, was er durch das große Glasfenster gesehen hatte. Nach einigen Minuten versiegte mein erster Tränenstrom, ich richtete mich auf und schnaufte durch. Die beiden Kollegen sahen erst sich und dann mich ratlos an. Aus meinem Gestammel waren sie nicht schlau geworden.
"Ich komme gerade vom Arzt. Ich habe einen HIV-Test machen lassen, und das Ergebnis ist positiv", brach es aus mir heraus.
"Scheiße." Das war das einzige Worte, das in den nächsten Minuten im Raum hängen blieb. [...]

 

 

Matthias Gerschwitz, Endlich mal was POSITIVES. Offensiv & optimistisch: mein Umgang mit HIV, 2009 Öffnet externen Link in neuem FensterÖffnet externen Link in neuem FensterBooks on Demand GmbH, ISBN: 978-3-8391-1843-6

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.

verfasst von: Sandra Neumann, Netzwerk Deutsche Gesundheitsauskunft

Datum der letzten Aktualisierung: 7. Dezember 2010 (Sandra Neumann)

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