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Hennemann: Besonderes Glück?

Judith Hennemann: "Besonderes Glück?"



Cover des Buches "Besonderes Glück?"
Judith Hennemann, Besonderes Glück?
Hilfen für Eltern mit einem geistig behinderten Kind
Mabuse-Verlag, 2011.

Wenn Eltern von der geistigen Behinderung ihres Kindes erfahren, bricht häufig eine welt zusammen. Im Sog der Ereignisse bleiben viele persönliche Fragen unbeantwortet: Was ist mit unseren Bedürfnissen? Wohin mit der Trauer?
Wie mit der großen Herausforderung umgehen?
Dieser einzigartige Ratgeber bietet Hilfe. Unzählige Bücher behandeln die Entwicklung und Förderung geistig behinderter Kinder. "Besonderes Glück?" widmet sich ganz den Gefühlen und emotionalen Bedürfnissen der Eltern. Betroffene Väter und Mütter haben in ausführlichen Gesprächen dazu beigetragen.

Das Buch richtet sich in erster Linie an Familien mit einem geistig behinderten Kind. Professionellen Helfern wie Hebammen, Therapeuten, Pädagogen und Ärzten ermöglicht es wichtige Einblicke in deren Lebenswelt.

 

Zur Autorin

Judith Hennemann, Diplom Sozialpädagogin, geboren 1971, sammelt seit vielen Jahren Erfahrungen im Umgang mit Familien mit einem geistig behinderten Kind. Sie arbeitet freiberuflich als Dozentin und engagiert sich ehrenamtlich in ihrer Heimatstadt Bremen, wo sie mit ihrem Mann und den gemeinsamen vier Kindern lebt. Die älteste Tochter wurde mit dem Down-Syndrom geboren.

 

Aus der Einleitung

Die Arbeit an diesem Buch begann im Frühjahr 2008. Auf Anraten meines Mannes bewarb ich mich beim Forschungsnetzwerk Mariaberg in Gammertingen, Baden-Württemberg, um ein Stipendium
   Seit der Geburt unserer ältesten Tochter im Jahr 1997, die mit einer Trisomie 21 zur Welt kam, hatte ich mich immer wieder mit den Auswirkungen beschäftigt, die eine geistige Behinderung für betroffene Eltern mit sich bringt. Ich hatte mit vielen unterschiedlichen Familien gesprochen, mich ehrenamtlich in
unserer Bremer Selbsthilfegruppe engagiert und war dort als Ansprechpartnerin für neue Familien zuständig. Immer wieder musste ich feststellen, dass es zwar zunehmend ansprechende Literatur für die Förderung, den Umgang und diverse
therapeutische Aspekte im Leben mit einem geistig behinderten Kind gab, dass jedoch die Eltern, speziell auf dem Buchmarkt, wenig Rat für ihre ganz persönliche Situation finden.
   So entstand die Idee, ein Buch für Eltern geistig behinderter Kinder und ihre speziellen emotionalen Bedürfnisse zu schreiben. Zu meiner großen Freude war der Stipendiums-Ausschuss des Forschungsnetzwerkes Mariaberg gern bereit, dieses Projekt zu unterstützen. (...)

 

Leseprobe aus dem Kapitel "Wir haben uns geliebt und wir haben geheult": Die Partnerschaft

"Das ist unser Kind und das kriegen wir hin!"

   Ein Satz, der fast zu schön ist, um wahr zu sein. Er ist die Voraussetzung für eine gemeinsame Zukunft unter erschwerten Bedingungen. Und ein Weg, der zu Beginn einer Liebe, einer Partnerschaft oder Ehe nicht absehbar war und nun doch zusammen gegangen und gelebt werden muss. Im Idealfall sind sich beide Partner einig, dass das Schicksal in Form einer geistigen Behinderung des Kindes kein Hindernis für eine gemeinsame Zukunft bedeuten muss.
   Ganz besonders beim Thema Partnerschaft wird deutlich, das die individuellen Lebensumstände der einzelnen Familien eine tragende Rolle spielen. Die Ausgangssituation, in der sich das einzelne Paar befindet, wenn die Diagnose "geistige Behinderung" in ihr Leben einbricht, prägt in der Regel die weitere partnerschaftliche Entwicklung.
   Zu Beginn der Elternschaft und auch schon in der Schwangerschaft stehen die Geburt und die erste Zeit mit dem Säugling im Vordergrund. Es gilt, unsere partnerschaftlichen Gewohnheiten auf die Bedüfnisse dieses neuen kleinen Wesens anzupassen. In vielen Zeitschriften und Ratgebern ist immer wieder zu lesen, dass der Vater auf das Neugeborene eifersüchtig reagiert. Dass dieses neue Familienmitglied die Partnerin mit seiner bloßen Existenz völlig in Beschlag nimmt, und dies rund um die Uhr. Selbst wenn es nicht der Fall ist, dass das eigene Kind als Konkurrenz empfunden wird, so stellt die Umstellung von "Liebespaar" auf "Eltern" eine gewaltige Herausforderung dar.
   Ist dieses Kind nun auch noch mit der Besonderheit einer geistigen Behinderung versehen, so steigern sich die Anforderungen an das Paar ganz außerordentlich. Die Entscheidung, ein gemeinsames Kind zu wollen, ist das eine: sich das Leben mit einem neuen Familienmitglied mit all seinen Konsequenzen vorzustellen und darauf einzulassen. Wenn der Weg, für den man sich gemeinsam entschieden hat, plötzlich jedoch einen abweichenden Verlauf nimmt, so stellt uns dies vor die Ungewissheit, wie wohl unser Partner oder unsere Partnerin reagieren wird. Wie wird die Zukunft mit diesem besonderen Kind sein? Wird mein Partner all diese ungewissen Fragen gemeinsam mit mir tragen?
   Daheim angekommen beginnt der Alltag. Neben all den Besonderheiten, die die Behinderung des Kindes mit sich bringt, bleibt das Leben mit einem Neugeborenen, dessen Bedürfnisse gestillt werden müssen. Wer es ermöglichen kann, sollte gerade zu Beginn dieser allerersten Phase als Familie da sein. Elternzeit oder Jahresurlaub bieten sich an, um das Kind kennenzulernen und in die Rolle als Mutter und Vater hineinzuwachsen. Die gemeinsame Beschäftigung und die geteilten Aufgaben rund um das Kind und den Haushalt erleichtern die Rückkehr in die Normalität. Wann immer es möglich ist, sollte man die Hilfen annehmen, die einem angeboten werden.

 

Judith Hennemann, Besonderes Glück? Hilfen für Eltern mit einem geistig behinderten Kind
2011 • 152 Seiten • 16,90 Euro
Öffnet externen Link in neuem FensterMabuse Verlag
ISBN: 978-3-86321-006-9

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.

verfasst von: Sandra Neumann, Netzwerk Deutsche Gesundheitsauskunft

Datum der letzten Aktualisierung: 10. Oktober 2011 (Sandra Neumann)

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