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Erfahrungsbericht Jutta Kühl



Jutta Kühl, Netzwerk Deutsche Gesundheitsauskunft
Jutta Kühl, Netzwerk Deutsche Gesundheitsauskunft

(Tappa-Lauf nach Mailand, 17. März - 15. Mai 2010)

 

"Also mal ehrlich, musste das jetzt sein? Wie doof bin ich eigentlich, dass ich zugesagt habe, mitzumachen? Toll. Ganz toll! - Schon wieder eine Sache mehr, mit der ich mich selbst unter Druck setze. Und das, wo ich ja immer sooo viel Zeit habe ... Nee, echt." Ehrlich gesagt war's so ziemlich genau das, was ich mir dachte, nachdem ich einigen Minuten zuvor meinen Kollegen gegenüber zugesagt hatte, beim Lauf nach Mailand mitzumachen.

Doch es kommt oft anders, als man denkt. Und genau so erging es auch mir. Um meine Erfahrungen für Sie, liebe Leserinnen und Leser, hier einigermaßen übersichtlich und nachvollziehbar auf den Bildschirm zu bringen, entscheide ich mich noch einmal zu etwas Ungewöhnlichem: einem Interview mit mir selbst. Auf geht's!

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Frau Kühl, was war für Sie das Überraschendste am Gehwettbewerb?

Ehrlich gesagt, dass mir das Ganze so dermaßen viel Spaß gemacht hat. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Und wenn ich so darüber nachdenke, hat es mich eigentlich auch selbst überrascht, dass ich - trotz der Tatsache, dass ich die Langsamste war - nicht versucht habe, durch falsche Einträge zu - entschuldigen Sie bitte den Ausdruck - bescheißen.

Falsche Einträge?

Ja, also das ist wirklich etwas schwierig vorstellbar, wie das alles läuft mit diesem Gehwettbewerb, wenn man es nicht selbst ausprobiert hat. Ich versuche es mal kurz, zu erklären. Es geht ja darum, in einer bestimmten Zeitspanne, also beispielsweise innerhalb von drei Monaten, eine bestimmte Strecke zurückzulegen. In unserem Testlauf ging es darum, von München nach Mailand zu laufen. So. - Um die vorgegebenen Kilometer in der vorgegebenen Zeit zu schaffen, ist es notwendig, jeden Tag 10.000 Schritte zu gehen, so ist das berechnet. Ok, man hat also einen Schrittzähler, den man sich jeden Tag an die Klamotten packt. Jeder Schritt, den man den ganzen Tag über tut, wird so gezählt. Abends schaut man dann, wieviel der Schrittzähler anzeigt und trägt diese Anzahl der Schritte online auf seiner persönlichen Seite im Rahmen des Gehwettbewerbs ein. Kontrollieren kann natürlich keiner, ob man jetzt so und so viele Schritte tatsächlich zurückgelegt hat, oder ob man da falsche Werte einträgt. - Aber wie gesagt, obwohl ich die Letzte in unserem Team war, habe ich immer die korrekten Werte eingetragen, auch wenn das Gegenteil niemand gemerkt hätte.

Und warum? Weil Sie so 'ne ehrliche Haut sind?

Naja, deswegen vielleicht auch. Aber - und das hat mich wirklich selber gewundert, da ich ziemlich ehrgeizig bin und so, also die Letzte zu sein, passt nicht wirklich in mein Konzept - ich wollte mich in erster Linie einfach selber nicht bescheißen. Hätte ich das getan, wäre der Sinn des Projekt für mich selbst einfach nicht mehr vorhanden gewesen. Und da das Ganze so eine spaßige, coole Angelegenheit war, hat es mir nicht mal was ausgemacht, dass ich im Team mit meinen Schritten hintendran hing. Ich konnte das mit Humor nehmen und habe einmal zu meinen Kollegen gesagt: "Ja, wo seid ihr denn schon?! Ich hänge euch im Moment etwas hinterher, weil ich gestern und vorgestern im virtuellen Biergarten abgebogen bin und dort etwas die Sonne und kühle Getränke genossen habe, statt weiterzulaufen..."

Sie haben also verloren?

Ein paar Pfunde bestimmt. Nein, schon gut, Sie meinen den Lauf. - Nein, ich habe nicht verloren, ganz im Gegenteil! Ich war zwar die Langsamste meines Teams, aber erstens nicht Langsamste unter allen Personen, die am Lauf teilgenommen haben - es gab ja auch noch ganz viele andere Leute und Firmen-Teams - und zweitens habe ich es geschafft, die durchschnittliche Schrittzahl, die ich so ohne den Lauf täglich zurückgelegt hätte, enorm zu erhöhen, mich also viel, viel mehr zu bewegen als sonst. Ich habe also gewonnen, und zwar für mich persönlich!

Reden Sie das jetzt nicht schön? Schließlich möchten Sie ja auch irgendwie für Ihre Expedition Schweinehund werben, die Sie als Deutsche Gesundheitsauskunft ab Oktober unternehmen werden ...

Nein, ich rede da nichts schön, ganz ehrlich! Ich war ja auch erst alles andere als überzeugt von der Sache, sehe das aber nach meinem Selbsttest und meinen Erfahrungen völlig anders. "Für sich selbst etwas gewinnen" und "Spaß" und "cool" und so weiter, das sind keine leeren Floskeln, ich meine das total ernst. - Ich freue mich selbst schon so richtig auf unsere Expedition Schweinehund und darauf, dass es wieder mit Motivation los geht!

Warum warten Sie denn auf die Expedition Schweinehund? Sie könnten doch genausogut einfach selbst laufen. Denn Schrittzähler haben Sie doch noch.

Das ist nicht dasselbe. Im Team und mit Kommunikation über das Erlebte macht's einfach viel mehr Spaß. Naja, und man kennt das ja auch aus anderen Situationen: den inneren Schweinehund überwindet man einfach auch viel besser, wenn man einen Ansporn wie "Wettbewerb" oder "Kontrolle" oder so hat. Es ist zwar schon so, dass ich seit dem ersten Gehwettbewerb mehr laufe als zuvor, aber so richtig viel wird erst wieder bei der Expedition Schweinehund passieren, das muss ich leider zugeben.

Fällt Ihnen zum Schluss vielleicht noch irgendetwas Lustiges, eine außergewöhnliche Szene während des Laufs oder so etwas in der Art ein?

Hm. - Ach, wissen Sie, es gab total viele lustige und außergewöhnliche Situationen. Da waren tolle Gespräche während abendlicher Spaziergänge, die Erkenntnis, dass Rasenmähen total viele Schritte bringt oder das erstaunte Gesicht meines Mannes, wenn ich ihn - den Wanderer - dazu aufgefordert habe, nochmal nach der Arbeit mit mir eine Runde zu drehen statt den Abend auf dem Sofa zu verbringen. Jeder wird da seine ganz eigenen Eindrücke im Kopf "abspeichern", die Erlebnisse sind halt so individuell wie die Leute, die mitmachen.

Ok, dann wünsche ich Ihnen einfach viel Spaß bei der anstehenden Expedition Schweinehund!

Danke, den werde ich auf jeden Fall haben!

 

 

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Autorin: Jutta Kühl

Datum der letzten Aktualisierung: 28. Oktober 2011 (Jutta Kühl)