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Erfahrungsbericht Matthias Potysch



Matthias Potysch, Netzwerk Deutsche Gesundheitsauskunft
Matthias Potysch, Netzwerk Deutsche Gesundheitsauskunft

(Tappa-Lauf nach Mailand, 17. März - 15. Mai 2010)

 

"Mit 190 Zentimetern kann man meine vertikale Ausdehnung in Relation zu meinem Volumen getrost als eher unterentwickelt beschreiben. Meine Hardware weist mit fortschreitendem Lebensalter einige unvorteilhafte bis unangenehme Gebrauchsspuren auf. Vor dem Treppensteigen überlege ich manchmal ob es wirklich Not tut (hin und wieder versuche ich, die Geschäftsführung von der Anschaffung eines Treppenlifts zu überzeugen) und wenn ich mir die Schnürsenkel binde, prüfe ich sorgfältig ob ich eventuell noch andere Verrichtungen vornehmen kann, wo ich schon einmal unten bin. Ich bin kurzatmig und unbeweglich, außerdem habe ich einige unschöne Angewohnheiten, die streng genommen nicht ganz mit meiner Arbeit bei der Deutschen Gesunheitsauskunft harmonieren. Auch meine besorgte Mutter sprach in letzter Zeit verdächtig häufig vom enterben. Kurzum - es war höchste Zeit etwas für meine Konstitution zu tun.

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Die Anmeldung erfolgt auf der externen Seite
www.tappa.de/Schweinehund2012 unseres
Kooperationspartners tappa.de

Die Beilage in meiner Tageszeitung erweckte darum sofort mein Interesse: Gesundheit ? - die will ich mir erhalten, Bewegung ? - klingt nach einem sinnvollen Ansatz, Teamgeist und Spaß ? - immer her damit!

Es dauerte auch nur wenige Minuten, um erfogreich bei Kollegen und Vorgesetzten für die Teilnahme am TappaLauf nach Mailand zu werben. Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung war unser Chef auch sofort gerne bereit, die anfallenden Kosten zu übernehmen.

So begab es sich also, dass am 12. März 2010 vier tapfere und topmotivierte Mitarbeiter ihre Teilnahme am TappaLauf bekanntgeben konnten. Am folgenden Montag kamen die Startpakete mit der Post. So waren wir mit allen notwendigen Informationen und vier robusten, leicht zu bedienenden Schrittzählern ausgerüstet und konnten am nächsten Tag online Anmeldung und Teambuilding vornehmen. Die Kollegen wollten mich zum Teamkapitän bestimmen, was im Rahmen einer Demokratie von mir auch durchaus begrüßt worden wäre, allerdings hatte ich mich bereits Kraft meines natürlichen Rechts selbst zum Captain ausgerufen. Im Gegensatz zu den anderen 3 Teilnehmern bin ich nämlich ein gelernter und geübter Fußgänger. Das ist ein Vorteil, der insbesondere den verblüfften Kollegen Dennis während der ersten Tage des Laufs zu der Erkenntnis kommen ließ, dass meine täglich auf Schusters Rappen zurückgelegten Strecken eine solidere Basis für die angestrebten 10.000 Schritte pro Tag bildeten, als seine sportlichen Bemühungen.

Schon wenige Tage nach dem virtuellen Start in München packten mich der Ehrgeiz und das Lauffieber auf unserem Weg durch 4 Länder bis nach Mailand.
Als ich nach einer Woche das erste Etappenziel Landsberg erreicht hatte, konnte ich es täglich kaum abwarten meine Schritte einzutragen und die Fortschritte meines Avatars (Icons) auf der Karte zu verfolgen. Als unerwarteter Nebeneffekt hatte ich schon zu diesem Zeitpunkt ein paar Ecken von Gelsenkirchen-Buer entdeckt, die ich vorher noch gar nicht kannte, obwohl ich seit fast einem Vierteljahrhundert in diesem Stadtteil lebe. Auch bei meinen Mitstreitern sorgte das Konzept von tappa für eine weiterhin hohe Motivation und den guten Vorsatz als Team komplett und pünktlich in Mailand anzukommen. Insbesondere Fr. Dr. Schwane ließ zudem erste Symptome von verstärktem Wettkampfeifer erkennen. Aber der Captain geht voran! So wie es sich gehört.

Dienstag, der 23. März: Ernüchterung!  Skandal!! Radfahrwetter!!! Begünstigt durch Klima und die Inflation von Gefällen ist es Katlen gelungen, den Kapitän zu überholen. (Fürs Radeln gibt es aber auch laut Tappa-Umrechnungstabelle unverschämt viele Schritte.)


Mittwoch, der 24. März: Habe beschlossen aufzurüsten und mir einen Heimtrainer zu besorgen. *Gnihihi!* Noch spät am Abend laufe ich wie aufgezogen durch mein Viertel. Wäre doch gelacht, wenn ich Katlen nicht wieder einhole. Extralob für Jutta: 6 Stunden Gartenarbeit haben für jede Menge Schritte gesorgt.


Freitag, der 26. März: Neuer persönlicher Rekord, habe fast doppelt soviele Schritte gemacht, als im Zeitplan vorgesehen waren. Kenne meine Heimatstadt mittlerweile viel besser als noch vor knapp 2 Wochen. Bin müde, aber sehr, sehr glücklich.


Samstag, der 27. März: Heimtrainer ist da! Habe gleich einmal das Schalkespiel strampelnd verfolgt. Ich glaube ich habe dadurch mehr Schritte erworben, als manche Fußballer auf dem Rasen gemacht haben.


Sonntag, der 28. März: Nachmittags entwische ich meiner Lebensgefährtin, schwänze das Kaffeetrinken mit der Schwiegermutter und wandere durch die Felder und Wälder. Katlen ist trotzdem vor mir in Memmingen.


Montag, der 29. März: Memmingen erreicht, hole auf gegen Katlen. Das Team beschwert sich, weil es sich von mir angetrieben fühlt, aber wir liegen doch etwas unter dem Schnitt!


Dienstag, der 30. März: Ein befreundeter Psychologe fragt mich vorsichtig, ob ich nicht langsam etwas übertreiben würde und mich vielleicht etwas zu sehr für das Gehen nach Mailand begeistern würde. Ich kann allerdings nur Bruchteile seiner Ausführungen verstehen, weil wir gerade an einer belebten Hauptverkehrsstrasse entlangwandern, um zu meiner neuen Lieblingslaufstrecke im Stadtwald zu gelangen und er meinem Tempo nicht folgen kann.

15. April: Zur Halbzeit des Firmenlaufs nach Mailand liegt das Team der Deutschen Gesundheitsauskunft ganz gut im Rennen. Meine Motivation ist weiterhin hoch, auch wenn ich die gefährliche Phase der beginnenden Übertreibung jetzt hinter mir gelassen habe. Jedes Teammitglied hat mittlerweile seine eigenen Methoden und Routinen entwickelt um die notwendigen Tagesschritte möglichst zu schaffen. Zwar hängen wir als Mannschaft noch ein klein wenig hinter dem Zeitplan zurück, aber eigentlich ist das gar nicht wichtig. Entscheidend ist, dass wir eine Möglichkeit gefunden haben, gleichzeitig etwas für unsere persönliche Gesundheit und für die Stimmung am Arbeitsplatz zu tun. Unsere Pausen sind u. a. ausgefüllt mit Gesprächen, Frotzeleien und Reflexionen über unseren Marsch. Ich bin zwar noch nicht zum durchtrainierten, drahtigen Sportler mutiert. Aber ich bin schon etwas fitter geworden. Wichtiger noch: Ich fühle mich auch belastbarer. Nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Ich glaube kaum, dass ich nach der Ankunft in Mailand einfach so aufhören werde zu laufen!"

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Autor: Matthias Potysch

Datum der letzten Aktualisierung: 28. Oktober 2011 (Jutta Kühl)