
"Der aktuelle Streitfall" vom 05.10.2009:
Folgende Pressemitteilung des Gruner+Jahr Verlages, Herausgeber der etabliertesten Frauenzeitschrift Deutschlands, der Brigitte, sorgt derzeit für rege Diskussionen:
Hamburg (ots) - 5. Oktober 2009. Heute beginnt bei BRIGITTE ein neues Zeitalter. Ab sofort werden sämtliche Fotostrecken von der Mode über die Beauty bis hin zu Living und Fitness nicht mehr mit Models produziert. Stattdessen zeigt BRIGITTE ab 2010 in allen Heften und auf allen Online-Sites der BRIGITTE-Gruppe nur noch Frauen, die mitten im Leben stehen, wie Studentinnen, Schauspielerinnen, Buchhändlerinnen, DJanes, Künstlerinnen, Köchinnen, Grafikerinnen, Tänzerinnen, Unternehmerinnen - Leserinnen.
Das radikale Konzept von BRIGITTE ist die konsequente Antwort auf zwei große Trends: Die Mode hat sich verändert - und die Frauen haben sich verändert. Andreas Lebert, Chefredakteur BRIGITTE: "Hinter dem Beruf des Models steckt die Idee, die Frauen nicht selbst zu zeigen, sondern einen Platzhalter - ein Modell gewissermaßen. Das empfinden viele Frauen inzwischen als überholt, zumal die Schönheitsideale, wie sie auch von der Modelbranche geprägt werden, stark umstritten sind. Einen Platzhalter brauchen Frauen nicht mehr. Sie wollen kein Rollenbild vorgesetzt bekommen, sondern selbst am Entwurf beteiligt sein."
Brigitte Huber, Chefredakteurin BRIGITTE: "Attraktivität hat heute viele Gesichter. Auch sind Designer nicht mehr die alleinigen Initiatoren von Trends. Ob Schauspielerinnen, Musikerinnen, Präsidentengattinnen oder die Frauen auf den Straßen der Metropolen - sie alle prägen Mode- und Beauty-Styles. Street-Style hat sich etabliert. Statt fünf Trends pro Saison gibt es heute eher fünf Trends pro Minute."
Die Frauen für sämtliche Fotoproduktionen werden künftig unter anderem über BRIGITTE.de/ohne-models und vom BRIGITTE-Produktionsteam gecastet."
Quelle:
presseportal.de
Was in der Pressemitteilung der Brigitte lapidar als "umstrittene Schönheitsideale der Modebranche" bezeichnet wird, ist tatsächlich einer der umstrittensten Trends der letzten Jahre.
Nicht nur Ärzte und Psychologen, selbst Mode-Insider weisen darauf hin:
Die Models werden immer dünner und flacher. Spitze Zungen sprechen von einer "Bulimiesierung" der ganzen Branche, mit fatalen gesundheitlichen Sofort- und Spätfolgen.
Auch der Nachahmungseffekt in Hinsicht auf das immer wieder abgebildete Schönheitsideal nimmt immer besorgniserregendere Züge an.
Gerade bei (sehr) jungen Mädchen lässt sich eine Zunahme von Magersucht und Ess-Brechstörungen beobachten.
Wie ist Ihr Eindruck?
Setzt die Brigitte ein nachahmenswertes Beispiel gegen Essstörungen und Magerwahn, welches Schule machen wird?
Oder lässt sich die Entwicklung so leicht nicht verändern oder gar umkehren?
Leistet sich Gruner+Jahr lediglich einen geschickten Marketing-Gag?
Vielleicht unterläuft Brigitte ja gerade auch ein fataler Fehler, da nur sehr schlanke Models wirkliche Hingucker sind und eine Frauenzeitschrift sich nicht dem Druck des durchschnittlichen, unzufriedenen "Moppelchens" beugen sollte.
Schreiben Sie uns Ihre Meinung!
Datum der letzten Änderung: 16. Oktober 2009, (Matthias Potysch)