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NAKOS – Die Brückenbauer



Screenshot der Internetseite nakos.de

Bei schweren - oft chronischen - Erkrankungen, Unfällen oder anderen traumatischen Erlebnissen suchen Betroffene, Co-Betroffene und ihre Angehörigen oft auch außerhalb der professionellen Strukturen und Einrichtungen unseres Gesundheitswesens zusätzlichen Rat, Unterstützung und Verständnis.

Gerade bei langandauernden oder bleibenden gesundheitlichen Einschränkungen oder Belastungen kommt auch oft der Wunsch hinzu, aktiv, selbst bestimmt und über die Rolle als Patient hinaus das Leben (neu) zu organisieren, Krisen zu bewältigen und sich weitere "Kraftquellen" zu erschließen.

Selbsthilfegruppen kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Als selbstorganisierter Zusammenschluss von Betroffenen, oft in Form eines eingetragenen Vereins, dient eine Selbsthilfegruppe in erster Linie dem Informations- und Erfahrungsaustausch, der konkreten Lebenshilfe, der Ermutigung und dem emotionalen Beistand der Mitglieder untereinander.

Auch die Vertretung nach außen wird von Selbsthilfegruppen in unterschiedlich großem Maße wahrgenommen. Dabei reicht die Bandbreite von einfacher Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu übergreifender, politischer Interessenwahrung.

Gesundheitliche Selbsthilfegruppen werden, als anerkannt wichtiger Baustein des Gesundheitssystems, von den Kostenträgern gefördert. Beispielsweise sind Krankenkassen nach dem Sozialgesetzbuch zur Bereitstellung von Fördermitteln verpflichtet. Allerdings ist keine Vollförderung vorgesehen, Gelder für die gesundheitsbezogene Selbsthilfe werden lediglich als Zuschuss ausgezahlt. Weitere Unterstützung kann von Ländern und Kommunen oder anderen Institutionen, etwa den gesetzlichen Rentenversicherungen, geboten werden.

In Deutschland existieren mehrere hundert Selbsthilfekontaktstellen und Selbsthilfeunterstützungseinrichtungen, deren hauptamtliche Mitarbeiter Betroffene bei der Suche nach bereits bestehenden Selbsthilfegruppen unterstützen oder Starthilfe während der Gründung neuer Gruppen leisten. Selbsthilfekontaktstellen gibt es in vielen Städten und Gemeinden, sie bieten themen-übergreifend Informationen, Kontakte und Unterstützung an, dies jedoch oft örtlich beschränkt.

Als zentrale und bundesweite Service-, Aufklärungs- und Netzwerkeinrichtung für die Belange von Selbsthilfegruppen, der Selbsthilfeunterstützung und der Selbsthilfeförderung in Deutschland versteht sich dagegen die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (Öffnet externen Link in neuem FensterNAKOS) der Öffnet externen Link in neuem FensterDAG SHG (Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V., Berlin), deren Angebote seit 1984 allen Interessierten kostenlos zur Verfügung stehen. Gefördert  u. a. vom Bundesministerium für Gesundheit unterhält die NAKOS als einzige Einrichtung in Deutschland öffentlich zugängliche Datenbanken nebst Anfrage- und Vermittlungsservice zu den ca. 360 bundesweiten Selbsthilfeorganisationen aller gesundheitlichen, sozialen und familien-bezogenen Themenausrichtungen und zu den 280 örtlichen Selbsthilfekontaktstellen.

Die Datenbanken der NAKOS sind sorgfältig gepflegt, ihre mehr als tausend Einträge enthalten Adressen und Informationen über das Angebot für Selbsthilfeinteressierte. Das Angebot ist unterteilt in sechs Bereiche, denen jeweils eine bestimmte Farbe zugeteilt wurde: "Grüne Adressen" listet beispielsweise die Adressen von bundesweit tätigen Selbsthilfeorganisationen und -vereinigungen im Sozial- und Gesundheitsbereich, die Kontakte zu Selbsthilfegruppen, Beratung und umfassende Informationen zu bestimmten Themen wie Suchterkrankungen oder Krebs anbieten.

Die Datenbank  "Weitere Wichtige Adressen" führt thematisch bedeutsame (Fach-)Verbände, gesellschaftliche Institutionen und Informationsportale. Außerdem gibt es "Rote Adressen" (Lokale Selbsthilfekontaktstellen und –unterstützungseinrichtungen), "Orange Adressen" (Europaweite Selbsthilfevereinigungen) und "Gelbe Adressen" (Internationale Adressen für Selbsthilfeunterstützung).

Komplettiert wird das Angebot der NAKOS durch "Blaue Adressen" (Seltene Erkrankungen und Probleme: Suche nach Gleichbetroffenen und Selbsthilfegruppen). Hier finden Sie Menschen, mit denen Sie sich zu einem seltenen medizinischen oder psycho-sozialen Problem austauschen oder sich als kontaktsuchend zu Gleichbetroffenen aufnehmen lassen können.

Grundsätzlich nennt die NAKOS ansonsten allerdings keine örtlichen Selbsthilfegruppen, da sie nicht alternativ, sondern ergänzend zu den Selbsthilfekontaktstellen vor Ort arbeitet. Auch ist die Bereitstellung der umfassenden Datenbanken nur ein Aufgabenbereich der NAKOS. Darüber hinaus kooperiert die Brückeninstitution NAKOS u. a. mit Behörden, Verbänden, Rehabilitationskliniken, Krankenkassen, Parteien, Wissenschaft, Forschung, Medien und fördert z. B. den themenübergreifenden Austausch, Qualitätsstandards oder die Bündelung von Interessen.

Autor: Matthias Potysch

Datum der letzten Aktualisierung: 5. Juli 2011 (Jutta Kühl)