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Was hab' ich? – Medizinstudenten übersetzen "Fachchinesisch" ins Deutsche



Screenshot der Internetseite washabich.de

Möglich, dass die Idee zu Öffnet externen Link in neuem Fensterwashabich.de von einer normalen deutschen Alltagsszene ausging: Zuerst muss man wochenlang auf einen Termin warten, sitzen und am Ende steht ein kaum fünfminütiges Gespräch mit dem Doktor und ein medizinischer Befund in einer Fachsprache, die für den Laien oft mehr verschleiert als erhellt. Leider kennen viele Patienten und ihre Angehörigen dieses Szenario.

Das Pensum vieler Ärzte ist groß und zusätzlich mit einer beinahe inflationären Menge an "Papierkram" beschwert. Für das ausführliche Patientengespräch bleibt da aus organisatorischen Gründen und wegen  der dringend verbesserungswürdigen Abrechenbarkeit wenig Platz. Dabei legen viele Studien die wichtige Funktion nahe, die die narrative (lat.: "erzählerische") Medizin in unserem Gesundheitssystem einnehmen sollte. Einige Wissenschaftler gehen soweit, dass sie den großen Zuspruch, den komplementärmediznische (d. h. wissenschaftlich begründete, "schulmedizinische" Angebote ergänzende) Konzepte zurzeit erfahren, vor allem auf die oftmals viel ausgeprägtere Gesprächskultur zurückführen, die viele Patienten bei ihrem Homöopathen oder Naturheiler erfahren.

Der aufgeklärte, mündige Patient als Partner des Arztes bei Diagnose und Behandlung ist in unserem Gesundheitssystem ein wichtiges Leitbild. Die Zeiten, in denen Ärzte Patienten beinahe wie Objekte behandelten, sind vorbei und entsprechen weder unseren gesellschaftlichen Standards noch dem Stand der medizinischen Forschung. Aufgeklärter Patient kann aber nur derjenige sein, der versteht, wovon sein Arzt spricht. Wie kommt es dann aber, dass anscheinend noch immer zu viele Ärzte ihre Patienten und ihre Angehörigen mit für diese unverständlichem Kauderwelsch überfordern?

Richtig ist, dass beispielsweise ein Arztbrief, der in erster Linie der Information anderer "Profis" im Gesundheitswesen dient, aus Gründen von Ökonomie und Präzision ohne die einschlägige Terminologie (die Summe der Fachausdrücke eines Wissensgebiets) nicht auskommt. Doch gegenüber ihren Patienten sollten Ärzte zumindest versuchen, trotz Zeitmangel und alter Gewohnheit, eine Gesprächsführung zu pflegen, die am Ende auch den Laien erhellt.

Dies ist natürlich nicht immer umsetzbar, vielleicht auch deshalb, weil ein patientenorientierter Gebrauch der deutschen Sprache nicht zu den Studieninhalten gehört, die während der Ausbildung zum Mediziner ein besonders hervorgehobenes Augenmerk erfahren. Beide Mängel, die Unaufgeklärtheit der Patienten und die Ungeübtheit zukünftiger Ärzte, will washabich.de beheben.

Von Patienten eingesandte Befunde bearbeiten Medizinstudenten aus hohen Semestern kostenlos und streng vertraulich, dabei werden sie zur Qualitätssicherung von Ärzten und Psychologen mit Rat und Tat begleitet, während sie nicht nur Fachbegriffe in eine allgemeinverständliche Alltagssprache übersetzen, sondern wie nebenbei auch neues medizinisches Fachwissen erlangen bzw. bereits erworbenes Wissen vertiefen können.

Anderen Menschen zu helfen, medizinische Befunde zu verstehen und gleichzeitig für den zukünftigen Beruf dazuzulernen, diese Kombination kommt bei Medizinstudenten gut an: Das Team von washabich.de setzt sich zurzeit aus Studenten von mehr als 20 medizinischen Fakultäten deutscher Hochschulen aus ganz Deutschland zusammen.

Auch bei den Nutzern findet das Angebot von washabich.de offenbar regen Anklang. So viele Patienten möchten über ihren Befund in einer verständlichen Sprache aufgeklärt werden, evtl. als Vorbereitung auf den nächsten Arztbesuch, dass washabich.de wegen der großen Nachfrage gerade das "Wartezimmer" aktiviert hat. Da der Anspruch besteht, eingesandte Befunde in der Regel binnen 24 Stunden fertig bearbeitet zum User zurückzuleiten, müssen sich Interessenten zurzeit (Juni 2011) zunächst auf eine Warteliste setzten lassen, bevor sie ihre Unterlagen digital oder als Fax einsenden können.

Was das Team von washabich.de nicht leisten will und kann, ist den Arztbesuch zu ersetzen. Es werden selbstverständlich auch keine Therapieempfehlungen ausgesprochen.

Washabich.de finanziert sich durch Spenden, die beteiligten Mediziner sind ehrenamtlich tätig.

Autor: Matthias Potysch

Datum der letzten Aktualisierung: 17. Juni 2011 (Jutta Kühl)