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Becker: Der schwerhörige Patient

Maryanne Becker, "Der schwerhörige Patient. Ein Leitfaden für Arztpraxis, Klinik und Pflege."



Cover des Buches "Der schwerhörige Patient"
Maryanne Becker, Der schwerhörige Patient.
Ein Leitfaden für Arztpraxis, Klinik und Pflege,
Mabuse-Verlag, 2011.

Das Buch "Der schwerhörige Patient" richtet sich zwar in erster Intention an Fachleute der Bereiche "Arztpraxis, Klinik und Pflege", ist aber sicherlich auch für interessierte Laien durchaus empfehlenswert. Das Buch gibt eine kurze Einführung in Aufbau und Funktion des Ohrs, erklärt etwas zu den Arten und Ausprägungen von Hörschädigungen, gibt einen Überblick über Hörsysteme und andere Hilfsmittel. Weitere Kapitel widmen sich dem Thema "Kommunikation(sbehinderung)". Das Kapitel "Praktische Tipps für Ihre Kommunikation mit schwerhörigen und ertaubten Patienten" liefert ganz konkrete Ratschläge für den Praxis-/Behandlungsalltag (Leseprobe siehe unten). Im Anhang finden sich außerdem Adressen, die gleichermaßen für Behandelnde als auch für Patienten hilfreich sind. (Jutta Kühl).

 

Über die Autorin

Maryanne Becker, geboren 1952, ist Soziologin und Audiotherapeutin mit langjähriger Erfahrung in der klinischen Beratung Hörgeschädigter und als Dozentin an Kranken- und Altenpflegeschulen. Sie ist als Audiotherapeutin an der HNO-Klinik des Unfallkrankenhauses Berlin und am Hörtherapiezentrum Potsdam tätig. Darüber hinaus leitet sie seit vielen Jahren Kommunikationsseminare für Schwerhörige und Ertaubte.

 

Aus dem Vorwort
(Prof. Dr. med. A. Ernst, Direktor der HNO-Klinik Unfallkrankenhaus Berlin)

Schwerhörigkeit ist eine Erkrankung, die für Außenstehende unsichtbar ist. Im Gegensatz zu anderen Behinderungen der Sinnesorgane (z.B. Fehlsichtigkeit bzw. Blindheit) gelingt es den Betroffenen mit einer Schwerhörigkeit nicht so ohne weiteres, ihre Umgebung auf ihre speziellen Kommunikationsbedürfnisse und auf die sich daraus ergebenden Konsequenzen für den alltäglichen Umgang miteinander einzustimmen. Dies führt gelegentlich zu der Wahrnehmung, dass der schwerhörige Mensch "nur einfach nicht hören will".

Nicht ohne Grund ist die historische Sprachwurzel des Wortes "taub" ("tumb" im mittelhochdeutschen bzw. heute noch im niederhochdeutschen bzw. niederländischen Sprachraum) eng verknüpft mit der Vorstellung von verringerter Intelligenz. Dem Abbau solcher gängigen Vorurteile und darüber hinaus der einfühlsamen Instruktion von medizinischen Profis in Klinik, Pflege, und Praxis hat sich der vorliegende Leitfaden verschrieben. [...] Nicht zuletzt weil wir aufgrund der Alterung unserer Gesellschaft von einer stetig zunehmenden Zahl von schwerhörigen Menschen ausgehen müssen, ist dem Leitfaden eine weite Verbreitung zu wünschen.

 

Leseprobe aus dem Kapitel "Hörbehinderung - Kommunikationsbehinderung"

Obwohl Kommunikation als wichtiger Aspekt bei der Patientenversorgung in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit erfahren hat, wurde das Thema Hörschädigung in diesem Kontext bislang grob vernachlässigt. Hörbehinderung ist eine (gravierende) Kommunikationsbehinderung - und Kommunikation ist lebenswichtig: Zwischen Arzt und Patient muss die Kommunikations gewährleistet sein.

Hörbehinderte hören nicht einfach "schwerer" im Sinne von leiser, sie hören anders! Je nach Ausprägung und Ortung der Hörschädigung wird auch von mit Hörsystemen Versorgten zu leise, zu laut, verzerrt oder lückenhaft gehört. Und nicht alles, was gehört wird, wird auch richtig verstanden. [...]

Das Gehör dient nicht nur der Aufnahme von Schall, sondern hat darüber hinaus eine Alarmierungsfunktion und erleichtert die Orientierung im Raum. Sind diese Funktionen beeinträchtigt, fühlt sich der Betroffene häufig unsicher. [...]

 

Leseprobe aus dem Kapitel "Praktische Tipps für Ihre Kommunikation mit schwerhörigen und ertaubten Patienten"

[...] Die erste Hürde für hochgradig Hörgeschädigte stellt die Terminvereinbarung dar. Ertaubte und Gehörlose können gar nicht telefonieren, andere Schwerhörige haben diesbezüglich möglicherweise Hemmungen, weil sie nicht immer alles richtig verstehen. [...] Heutzutage gehört ein Interentanschluss zur Grundausstattung jedes Unternehmens. Verschiedene Kliniken und andere Einrichtungen der Gesundheitsversorgung bieten ihren Patienten bereits die Kommunikation per E-Mail an und berichten über positive Erfahrungen, nicht zuletzt hinsichtlich des Organisationsablaufs. [...]

Die Situation am Empfang in Arztpraxis und Klinik wird von vielen Schwerhörigen vor allem dann als äußerst belastend erlebt, wenn andere Patienten in der Nähe sind, z.B. in einer Warteschlage stehen. [...] Wenn der Empfangsbereich mit einer ca. 130 Zentimeter hohen Theke ausgestattet und die Arzthelferin dahinter an einem Schreibtisch von 70 Zentimetern Höhe sitzt, ist kein Blickkontakt in Augenhöhe möglich. Gestalten Sie diese Situation für den hörgeschädigten Patienten barrierefrei, indem Sie sich vollständig auf den Patienten konzentrieren und Blickkontakt mit ihm halten. Verzichten Sie während des Gesprächs mit dem Patienten darauf, den Kopf zu senken, um Akten zu suchen, Notizen zu machen oder die Tastatur des PCs zu benutzen. [...] Halten Sie Ihr Gesicht frei und stützen Sie es nicht auf Ihre Hand auf, um eine Verzerrung des Mundbildes zu vermeiden. [...]

 

Maryanne Becker, Der schwerhörige Patient. Ein Leitfaden für Arztpraxis, Klinik und Pflege, 2011 Öffnet externen Link in neuem FensterMabuse-Verlag, ISBN: 978-3-940529-58-9

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.

 

 

Link-Empfehlungen

[Interview Öffnet internen Link im aktuellen Fenster"Schwerhörigkeit ist weder sichtbar noch irgendwie spektakulär" mit Maryanne Becker.]

[Buchvorstellung: Maryanne Becker, Öffnet internen Link im aktuellen Fenster"Klänge aus dem Schneckenhaus"]

Autorin: Jutta Kühl, Netzwerk Deutsche Gesundheitsauskunft

Datum der letzten Aktualisierung: 16. August 2011 (Jutta Kühl)

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