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Becker: Klänge aus dem Schneckenhaus

Maryanne Becker, "Klänge aus dem Schneckenhaus. Cochlea-Implantat-Träger erzählen."



Cover des Buches "Klänge aus dem Schneckenhaus"
Maryanne Becker, Klänge aus dem Schneckenhaus.
Cochlea-Implantat-Träger erzählen,
Books on Demand Norderstedt, 2008.

Klappentext

Ca. 11.000 Menschen hierzulande tragen Cochlea-Implantate. Die elektronische Innenohrprothese, die vor 50 Jahren noch wie reine Utopie schien, lässt Ertaubte wieder hören. Die meisten können wieder Sprache verstehen, viele sogar telefonieren. Doch bisher weiß man wenig Konkretes darüber, wie die Betroffenen Alltag und Beruf erleben. Das vorliegende Buch schließt diese Lücke. Die Autorin interviewte zehn Menschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, die offen über ihr Leben mit Cochlea-Implantat berichten.

 

Über die Autorin

Maryanne Becker, Jahrgang 1952, Sozialwissenschaftlerin und Audiotherapeutin, lebt in Berlin. Der plötzliche, vollständige Hörverlust im Jahr 1997 und die anschließende Versorgung mit Cochlea-Implantaten stellte sie vor neue Herausforderungen. Seither ist sie in der Beratung schwerhöriger und ertaubter Menschen tätig.

 

Aus der Einleitung

In diesem Buch berichten zehn Menschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren über ihr Leben. Gemeinsam sind ihnen die hochgradige Hörschädigung und ihre Entscheidung, sich mit einem Cochlea-Implantat (CI) versorgen zu lassen.

[...] Wenngleich der Fokus auf die Hörschädigung und die CI-Versorgung gerichtet ist, wird deutlich, dass es Menschen sind, die ebenso wie Nichtbehinderte ihren eigenen Lebensweg gegangen und auf ihre persönliche Art und Weise mit den Herausforderungen des Lebens umgegangen sind. Dabei spielen sowohl Lebensalter und Lebenserfahrungen als auch der Zeitpunkt des Eintretens der Hörschädigung eine Rolle. Eine Behinderung muss nicht zwingend zum Dreh- und Angelpunkt eines Menschen werden, obwohl gerade eine Hörschädigung desn Menschen in seinem Grundbedürfnis nach Kommunikation erheblich einschränkt. Die hier vorgestellten Frauen und Männer bzw. die Eltern eines jungen Mannes haben eine Entscheidung getroffen: Sie wollten wieder hören bzw. wollten ihrem Kind Chancen in der hörenden Welt ermöglichen und nahmen dafür einen oder gar mehrere chirurgische Eingriffe in Kauf. In einer hoffnungslos erscheinenden Situation, schließlich sind Innenohrschwerhörigkeiten unheilbar, waren sie mutig und zuversichtlich, wohl wissend, dass auch das Cochlea-Implantat ihnen nicht das normale Hören wiedergeben würde.

 

Leseprobe aus dem Kapitel "Ingeborg: Mit dem CI ist mein Leben viel bunter geworden"

(Seite 139 ff) [...] Sie heiratet und bekommt bald darauf ihr erstes Kind, so dass sie ihre Berufstätigkeit aufgibt. Kurz nach der Entbindung stellt sie fest, dass sie nicht mehr so gut hören kann und sucht einen HNO-Arzt auf. Sie reagiert zunächst erleichtert, als er ihr sagt, dass der Hörverlust nur minimal und sie für Hörgeräte noch zu jung sei. Dennoch stört es sie, dass sie nicht mehr so gut hört, und ein Jahr später kommt es bei einer Reise zusammen mit anderen jungen Leuten zu einem frustrierenden Erlebnis. "Wir saßen abends gemütlich beisammen, wie es üblich ist, es wurde getrunken, es wurden Witze erzählt, und ich hab nichts verstanden von den Witzen bzw. hab falsch geantwortet. Und alle haben fürchterlich gelacht, ja, die fanden das so witzig! Nur ich nicht! Also da war ich auch ein bisschen beleidigt, gebe ich ehrlich zu, ich war betroffen. Natürlich hat auch keiner erklärt, worüber gelacht wurde. Ja, und das ging natürlich öfter so. Erst hast du mitgelacht, so getan als ob, und irgendwann ging bestimmt mein Gesicht nach unten, ich hab mich wirklich nicht mehr amüsiert dabei."

[...] Zur Erstanpassung wird Ingeborg von ihrem Mann und ihrer Freundin begleitet. Die ersten Töne nimmt sie zwar wahr, aber interpretiert sie im engeren Sinne nicht als "hören". Doch schon bald hört sie ihre eigene Stimme, versteht die Worte des Audiologen. Sie muss weinen, als ihr klar wird, dass sie wieder hören kann. Nach einer Woche kann sie sich wieder gut mit ihrer Freundin unterhalten. Die Freundin stellt gerührt fest, dass sie zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder ein Gespräch führen können. [...]

 

Maryanne Becker, Klänge aus dem Schneckenhaus. Cochlea-Implantat-Träger erzählen, 2008, Books on Demand Norderstedt, ISBN: 978-3-8334-7249-7

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.

 

 

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Autorin: Jutta Kühl, Netzwerk Deutsche Gesundheitsauskunft

Datum der letzten Aktualisierung: 16. August 2011 (Jutta Kühl)

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