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Stress: Ein Erfolgskonzept

Stress: Ein Erfolgskonzept seit 500 Millionen Jahren



Bereits 1932 fand Walter B. Connon heraus, dass die Reaktion auf Stress von unserem Stammhirn gesteuert wird. Das Stammhirn, oder auch Hirnstamm, ist der tiefliegendste Teil unseres Gehirns und verbindet das Gehirn mit dem Rückenmark. Es hat sich vor etwa 500 Millionen Jahren entwickelt und ist somit stammesgeschichtlich der älteste Teil. Man nennt es übrigens auch das Reptiliengehirn, weil es dem Gehirn heutiger Reptilien stark ähnelt. 

Im Hirnstamm sind Aufgaben lokalisiert, die bei Tier und Mensch unwillkürlich und unbewusst sind. So werden hier z.B. die Herzfrequenz, der Blutdruck, die Atmung, die Nahrungsaufnahme oder die Darmtätigkeit kontrolliert.

Das Reptiliengehirn in uns reagiert auf Überraschungen und Neues reflexartig, das bedeutet rasch und völlig unwillkürlich, also, ohne dass man darüber nachdenkt. In Millisekunden wird eine Situation analysiert, ausgewertet und unter Umständen als bedrohlich eingestuft. In letzter Konsequenz lässt unser Hirnstamm uns zwei Alternativen zur Auswahl: Flucht oder Kampf. Man nennt diese Kette von Reaktionen fight-or-flight-response oder auf deutsch: Kampf-oder-Flucht-Reaktion. Mit Hilfe von so genannten Neurotransmittern (Botenstoffen) werden die gewonnen Erkenntnisse an weitere Organe, wie z.B. das Nebennierenmark, übermittelt und ihrerseits dazu aufgefordert, Hormone auszuschütten. Die physiologischen Prozesse werden in dem Kapitel "Was passiert bei Stress in unserem Körper?" näher erläutert.

Gleichzeitig wird das Großhirn, als Ort der Entstehung bewusster Empfindungen und Sitz aller höheren psychischen Vorgänge, mit veränderten Ausschüttungsmustern von dämpfenden und anregenden Botenstoffen, wie z.B. Serotonin und Noradrenalin, heruntergefahren. In einer Stresssituation verlassen wir uns also auf das Reptiliengehirn in uns und nehmen das Risiko einer fehlerhaften Entscheidung in Kauf. In einer lebensbedrohlichen Situation muss man schnell reagieren und kann nicht kostbare Zeit verschwenden, die eine präzisere und sicherlich korrektere Einschätzung durch das Großhirn benötigen würde.

Stellen Sie sich vor, einer unserer Urahnen hätte bei der Jagd eine Mammutherde gegen sich aufgebracht und möchte nun seinen Jagdgefährten warnen. Sicherlich würde er nicht eine präzise Analyse der Situation vortragen, wie: "Du, ich habe eine Mammutherde mit einem Bullen und 20 Kühen durch einen nichtüberlegten Angriff mit einer 1,43 m langen Holzlanze aufgebracht. Der Bulle ist ca. 3,2 m groß und steuert geradewegs in unsere Richtung...." Vermutlich ist es an dieser Stelle schon zu spät. Ein simples "Lauf um Dein Leben!" könnte hier lebensrettend sein und genau so eine Information sendet unser Hirnstamm in so einer Situation.

Egal ob wir uns in so einer Situation für Flucht oder Kampf entscheiden, wir benötigen jetzt schnell sehr viel Energie. Unser Herzschlag wird erhöht, unsere Körpergewebe werden besser mit Sauerstoff versorgt, es wird mehr Zucker ins Blut ausgeschüttet, wir werden aufmerksamer und wir bekommen einen regelrechten Ernergieschub. Wir könnten Bäume ausreißen und fühlen uns für den Kampf mit einer ganzen Mammutherde gewappnet. Die Stressreaktion sorgt also dafür, dass alle Ressourcen aktiviert werden.

"Stress" im ursprünglichen Sinn ist also ein viele hundert Millionen Jahre altes Erfolgskonzept und hat im Laufe der Evolution das Überleben so mancher Spezies ermöglicht. Warum sprechen wir dann heute von einer Volkskrankheit?

Auch heute noch kann die Stressreaktion in einer akuten Gefahrensituation Leben retten. In den meisten heutigen Stresssituationen stellen wir uns aber ganz anderen Anforderungen als unsere Vorfahren. Heute ist es vielleicht das Lampenfieber vor einem Vortrag, ein fordernder Chef, Lärmbelastung, ein hohes Arbeitspensum, etc.  

Warum uns das Erfolgskonzept "Stress" heute nicht mehr so erfolgreich erscheint, erfahren Sie in dem Kapitel "Warum empfinden wir Stress heute anders?", dass in Kürze folgen wird. Zunächst widmen wir uns den physiologischen Abläufen im menschlichen Körper. Denn eine Stresssituation ruft ein hormonelles Feuerwerk in unserem Körper hervor. Lesen hier weiter:

 

Öffnet internen Link im aktuellen FensterStress: Was in unserem Körper passiert

 

Lesen Sie mehr über das Thema Stress:

Stress: Physiologische Abläufe in unserem Körper

Öffnet internen Link im aktuellen FensterStress: Ein Überblick

Öffnet internen Link im aktuellen FensterStress: Reif für die Insel

Öffnet internen Link im aktuellen FensterEntspannungsmusik hören

Foto: Ã–ffnet externen Link in neuem FensterBüro Stress (c) cmon / fotolia.de

 

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Ärzte, Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, Fitnessstudios und Wellnesseinrichtungen, die Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen können, wenn Sie unter Stresssymptomen leiden, finden Sie Ã–ffnet  internen Link im aktuellen Fensterhier bei der Deutschen Gesundheitsauskunft. Direkte Links finden Sie auch unter "Öffnet  internen Link im aktuellen FensterStress: Reif für die Insel"